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Sonnenkosmetik & After-Sun-Pflege selber machen

Aktualisiert: 21. Apr. 2022

mit zuverlässigen UV-Filtern, natürlichen Rohstoffen und wirksamen Inhaltsstoffen selbst herstellen.





Fast jedes Jahr gibt es Neuerungen auf dem Gebiet der Sonnenschutzfilter und natürlich haben wir uns auch dieses Jahr wieder auf dieses Thema gestürzt und uns bereits am Jahresbeginn mit den Neuerungen eingedeckt, um sie in unseren Rezepturen zu testen und die Ergebnisse ausführlich zu probieren.


In diesem Betrag möchten wir Ihnen die aktuell verfügbaren Filter vorstellen und Ihnen wichtige Tipps und Tricks zur Einarbeitung und zur richtigen Konzeption einer Sonnenschutz- und After-Sun-Formulierung geben.


Sinnvolle Kombination von Sonnenschutzfiltern


Eine gute Sonnenschutz-Rezeptur im Sinne eines verlässlichen UV-Schutzes besteht aus folgenden Faktoren:

  • Dem Erreichen des gewünschten Lichtschutzfaktors

  • Die vom Hersteller angegebene Maximalkonzentration wird nicht überschritten

  • Das gesamte UV-Spektrum wird abgedeckt

  • Physikalische Filter sind wichtig, um auch den UV-A-Bereich abzudecken (die chemischen Filter arbeiten primär im UV-B-Bereich)

  • Physikalische Filter, um einen schnellen UV-Schutz zu erreichen (chemische Filter brauchen ca. 30 Minuten, um in die Haut einzudringen und dort den Schutz zu entfalten)

Ich empfehle daher, bei hellen Hauttypen immer einen mineralischen Sonnenschutzfilter mit einem chemischen zu kombinieren. Bei dunkleren Hauttypen habe ich die Erfahrung gemacht, dass mineralische Filter oft ausreichen.


Bitte passen Sie die Höhe des Schutzfaktors und die Wahl des richtigen Sonnenschutzfilters immer individuell an Ihren Hauttyp an!



Die physikalischen (=mineralischen) Filter


Physikalische Filter bleiben weitgehend auf der Hautoberfläche haften und wirken dort wie Milliarden von kleinen Spiegeln.

Sie reflektieren und streuen das einfallende UV-Licht und bestehen in der Regel aus winzigen Partikeln (Nano-Partikeln) von Metalloxiden wie etwa Titandioxid und Zinkoxid, Eisenoxid, Calciumcarbonat (Schlämmkreide), Kaolin (Weißer Lehm), MICAS (Schimmerpigmente) und Talkum.


Diese sind weiß – und das ist auch ein Charakteristikum vor allem von starken Filtern mit einem Schutzfaktor von mehr als 30 – das heißt, die Sonnencreme bildet auf der Haut einen weißlichen Schutzfilm, den man jedoch in der selbst gerührten Kosmetik mit Hilfe von Squalan gut vermindern kann oder man greift auf Zinkoxid/Titandioxid-Mischungen (etwa in Jojoba- oder Neutralöl) zurück, die das Zinkoxid/Titandioxid bereits eingearbeitet haben und so das Weißeln nahezu unterbunden haben.


Ein großer Vorteil der mineralischen Sonnenschutzfilter ist der sofortige Schutzfilm nach dem Auftragen, die Reflexion der Sonnenstrahlen funktioniert sofort.


Die Wartezeit, wie man sie von chemischen UV-Filtern kennt, entfällt also.


Ein Nachteil jedoch ist, dass diese Filter bei viel Wasserkontakt (wie es bei Kindern häufig vorkommt) leicht von der Haut abgewaschen werden, daher ist ein oftmaliges Eincremen unerlässlich!




1. SofiTix Breitband - Ein Klassiker, der leider nicht mehr produziert wird


SofiTix Breitband war jahrelang ein Klassiker, dessen Produktion aber leider mit Mitte 2020 eingestellt wurde.

SoFI Tix Breitband war ein mineralischer Filter, der aus den beiden Pigmenten Titandioxid (ein weißes, unlösliches, stark deckendes mineralisches Pigment) und Zinkoxid bestanden hat.

Beide Filter haben aus gecoateten (ummantelten) Partikeln im Nanobereich bestanden, die nicht zerfallen, daher ist ein selbst zusammenmischen von Zinkoxid und Titandioxid zwar eine Alternative, aber bei weitem keine gute.


2. Titandioxid


Wir empfehlen, nicht nur mit Titandioxid in der Sonnencreme zu arbeiten, denn Titandioxid deckt nicht das gesamte UV-A-Spektrum ab, daher empfiehlt sich eine Kombination aus Titandioxid und Zinkoxid zu jeweils gleichen Teilen.


Titandioxid weist eine extrem hohe Deckkraft auf, reflektiert sichtbares Licht und absorbiert UV-Strahlung, insbesondere UV-B- (290–320 nm) und UV-A-Strahlung (320–340 nm). Im Schutz vor Strahlung > 340 nm ist es weniger effektiv als Zinkoxid, daher wird es gerne mit diesem kombiniert eingesetzt.


Verarbeitung

Das Titandioxid wird mit Hilfe eines starken Mini-Mixers in Neutralöl, Natural Silicone (Natura Tec Platnsil®) oder Squalan eingerührt. Erst dann werden die restlichen Rohstoffe der Fettphase beigegeben.



Wichtig!

Am leichtesten lässt sich Titandioxid in Neutralöl dispergieren. Squalan (= das Unverseifbare des Olivenöls), Natural Silicone – NaturaTec Plantsil® (ein pflanzenbasierter Silikonersatz) verhindert zusätzlich das Weißeln und sollten daher unbedingt in die Sonnencreme-Formulierung mit eingearbeitet werden.



Die Schutzwirkung der mineralischen Filter hängt auch wesentlich davon ab, wie dick man die Sonnencreme aufträgt. Leider verwenden die meisten Menschen nur rund die Hälfte der empfohlenen Menge, sodass sie nicht ausreichend vor der Sonneneinstrahlung geschützt sind.


Nur dann, wenn die kleinen Partikelchen flächendeckend und ausreichend auf der Haut verteilt werden, können sie ihren verlässlichen Sonnenschutz erfüllen, andernfalls entstehen kleine „Lücken“ auf der Haut (dort, wo nicht bzw. viel zu dünn eingecremt wurde) – an diesen Stellen kann die Strahlung ungehindert auf die Haut auftreffen und Schäden anrichten.



3. Zinkoxid


Zinkoxid wirkt stärker im UV-A Bereich als Titandioxid. Zinkoxid ist eine chemische Verbindung von Zink und Sauerstoff, das für kosmetische Zwecke als pudriges, weißes Pulver verwendet wird. Zinkoxid ist allerdings nicht löslich, sondern nur in erhitzten Fetten (Pflanzenölen, Pflanzenbuttern etc.) dispergierbar.


Es wirkt reizlindernd, ist allgemein sehr gut hautverträglich, weist eine hohe Deckkraft auf, reflektiert sichtbares Licht und absorbiert in mikronisierter Form effektiv UV-Strahlung. Um einen sicheren Strahlenschutz zu gewährleisten, wird es gerne mit Titandioxid kombiniert. Zinkoxid hat das gleiche Wirkprinzip wie Titandioxid, es reflektiert einen Großteil der Strahlung und schützt so die Haut.


Verarbeitung

Das Zinkoxid wird mit Hilfe eines starken Mini-Mixers in Neutralöl, Squalan oder Natural Silicone (Natura Tec Platnsil®) eingerührt. Erst dann werden die restlichen Rohstoffe der Fettphase beigegeben.



Zinkoxid oder Titandioxid - was ist besser?


Leider ist nicht nur der Lichtschutzfaktor „LSF“ einer Formulierung ausschlaggebend für einen zuverlässigen Schutz, denn dieser gibt immer nur den UV-Schutz gegenüber UV-B-Strahlung an.


Diese Strahlung ist verantwortlich für den Sonnenbrand.

Die ebenfalls auf die Haut auftreffende UV-A-Strahlung jedoch wird in diesem Wert nicht berücksichtigt, ist jedoch die Strahlung, die unsere Haut nachweislich schädigt und dadurch für frühzeitige Alterungsprozesse der Haut und für die Entstehung von Krebszellen verantwortlich ist.


Ein UV-Schutz sollte daher stets beide Arten von UV-Strahlung abhalten!


Zinkoxid liefert bei gleichem Lichtschutzfaktor einen weitaus besseren Schutz vor UV-A-Strahlung als das bei Titandioxid der Fall ist, daher im Zweifelsfall auf das Zinkoxid zurückgreifen oder Zinkoxid und Titandioxid in Kombination verwenden.



Mein Fazit zu diesem Thema ist die traurige Wahrheit:

Das perfekte natürliche Sonnenschutzmittel gibt es leider noch nicht!

Und: Besser weiß wie ein Gespenst als rot wie ein Krebs!



4. Sonnenschutz-Dispersion XT300


Mit diesem sehr effektiven und einfach zu verarbeitenden Sonnenschutz in Form einer fertigen Emulsion (leicht dickflüssig) entfallen alle Probleme, die mit der Einarbeitung von pulverigen Sonnenschutz-Filtern einhergegangen sind. Zudem bietet die Einarbeitung von Titandioxid in Neutralöl eine bessere Haftung auf der Haut und daher einen wesentlich besseren Breitband-UV-Schutz als Titandioxid allein.


Die Sonnenschutz-Dispersion XT300 vereint einen sehr guten Sonnenschutz mit ausgezeichneter Hautverträglichkeit - so hinterlassen Formulierungen mit dieser Vordispersion ein seidiges Hautgefühl und sind besonders für empfindliche Haut empfehlenswert.


Die gemessene geometrische mittlere Größe der Partikel in der Sonnenschutz-Dispersion XT300 beträgt 179 nm. Die Partikeln sind aufgrund ihrer Silica-Beschichtung geringfügig größer und haben je eine mittlere Größe von 200 nm.


Sie gewährleistet einen optimalen UVB und UVA Schutz (gemäß Richtlinien der Europäischen Kommission).

Die Sonnenschutzdispersion XT 300 ist geeignet für die Naturkosmetik.


Verarbeitung

In die aufgeschmolzene und auf 70 - 80 °C erhitzte Fettphase wird die Sonnenschutzdispersion eingerührt - am besten mit einem starken Mini-Mixer, damit sich die Emulsion schön und homogen verteilen kann.


Bitte beachten!

Die Temperatur muss bei 70 - 80 °C gehalten werden, anschließend wird mit der ebenfalls 70 - 80 °C heißen Wasserphase emulgiert.

Bei Wasser-in-Öl-Emulsionen (Fettphase ist hier die kontinuierliche Phase!) kann man die öllösliche Sonnenschutzdispersion auch nach dem Emulgieren in die Emulsion einrühren - ggfs. auch hochtourig.


Einsatzkonzentration

2% Emulsion ergibt einen Lichtschutzfaktor von 2-3.



5. ZIN-CLEAR IM®50JJ - Sonnenschutzdispersion von Zinkoxid in Jojobaöl


Leider gibt es diesen Sonnenschutzfilter zurzeit nicht am Markt, ich habe aber Hoffnung, dass er doch irgendwann wieder für uns Selber-Rührer/Innen zur Verfügung stehen wird!




6. EsseSol - neu 2022!


Dieser neue Filter ist seit kurzem auch für uns Selberrührer/Innen erhältlich und wir waren nach unseren ersten Tests wirklich begeistert!


INCI: titanium dioxide, aqua, polyglyceryl-2 caprate, sucrose stearate, simmondsia chinensis seed oil, stearic acid, alumina, glyceryl caprylate, squalane


EsseSol ist ein mineralischer Sonnenschutzfilter, der auf Titandioxid und Jojobaöl basiert. Mit Hilfe von gereinigtem Wasser, Emulgatoren und Stabilisatoren ermöglicht dieses Gemisch eine Einarbeitung in der Wasserphase (ja, richtig gelesen), weißelt kaum und lässt sich leicht verarbeiten und wunderbar auf der Haut auftragen.


EsseSol ist ein hydrophobisch beschichtetes Titandioxid mit einer durchschnittlicher Partikelgröße von 179nm in einer wasserbasierten Dispersion, das bedeutet eine tolle Wasserfestigkeit und das umständliche Einarbeiten und Dispergieren von diesem Filter ist Geschichte. Selbst für Rühranfänger/Innen ist das Herstellen von Sonnenkosmetik nun kein Problem mehr!


Die leichte weiße Paste wird in der Wasserphase verarbeitet und besteht ca. aus 50% wässerigen Anteilen und ca. 42% Titandioxid. 


Vorteile von EsseSol

  • Gute Kombinationsfähigkeit mit der Mehrheit aller kosmetischen Inhaltsstoffe

  • innovative wässrige Titandioxid-Dispersion für ein breites Schutzspektrum

  • sorgt für Schutz und vermittelt gleichzeitig ein sehr angenehmes Hautgefühl

  • enthält hydrophob (also Feuchtigkeit abstoßend) beschichtetes Pulver und bietet somit eine ausgezeichnete Wasserresistenz, das konnte noch kein Filter (im Selbstrührbereich) vorher!

  • erreicht die kritische Wellenlänge von ~380nm, und liegt damit deutlich über den, für UVA Schutz erforderlichen, 370 nm Anforderungen

  • muss nicht (aber kann sehr gut) mit anderen Filtern kombiniert werden

  • eignet sich sowohl für O/W als auch für W/O-Formulierungen


Einsatzkonzentration

Entsprechend der Herstellerangabe ergibt eine Dosierung von


  • 8% den Sonnenschutzfaktor (SPF)10 und

  • 22% ergeben SPF 25

bei alleiniger Anwendung von EsseSol.

Maximale Einsatzkonzentration: 22% der Gesamtmenge.



7. Sun Zinc


SunZinc haben wir selbst noch nicht probiert, alexmo cosmetics schreibt dazu auf ihrer Homepage:


"INCI: Zinc Oxide


SunZinc ist unbeschichtetes Zinkoxid mit höchstem UVA-Schutz und einer kritischen Wellenlänge von 385 nm bei gleichzeitig guter Transparenz. SunZinc ist ideal für natürliche Formulierungen. Es schützt wirksam die Haut gegen die schädlichen Strahlen der Sonne.


Seine Verwendung findet Zinoxid in Produkten wie z.B. Sonnenschutzmittel, täglicher Hautpflege, Feuchtigkeitsspendern, Lippenpflegeprodukten und Babyartikel. Durch einen speziellen Produktionprozess erhalten wir homogene Teilchen und eine enge Korngrößenverteilung, was zu einer exzellenten Transparenz in Bezug auf kosmetische Formulierungen führt.


SunZinc allein liefert SPF-Werte bis zu 30+ und kann, kombiniert mit anderen Filtern wie z.B. TiO2, höhere SPF-Werte von bis zu 50+ erreichen.


Mikrofeines Zinkoxid und seine Vorteile:

  • Breitband UVA/UVB-Absorber

  • Transparent

  • Photostabil

  • FDA Kat. I Sonnenschutz

  • FDA Kat. I Hautschutz

  • Unbeschichtete Ausführung"


Wir finden, dass der Preis für Zinoxid in "Reinform" etwas hoch ist und es andere, bessere Alternativen gibt.

Zudem muss der pH-Wert des Endproduktes auf pH 7,2-7,8 eingestellt werden, was aus hautphysiologischer Sicht nicht optimal ist.


Einsatzkonzentration

1% Zinkoxid ergibt ca. 1-1,5 LSF

Maximale Einsatzkonzentration: 25% der Gesamtmenge.



Wichtige zusätzliche Inhaltsstoffe für die Sonnenkosmetik


Seidenpulver


Es empfiehlt sich, bei Sonnenkosmetik-Formulierungen zusätzlich Seidenpulver beizumischen, denn dieses reflektiert ebenfalls die UV-Strahlung, wie neueste Studien gezeigt haben.

Seidenpulver wird aus Seide höchster Qualität in einem sehr komplexen, behutsamen chemischen Verfahren hergestellt, um seine wertvollen Eigenschaften zu erhalten.


Einsatzkonzentration

3% der Gesamtmenge; in der Wasserphase lösen



Serezit-Mica-Matt


Serizit ist eine besonders feinschuppige Art des Minerals Muskovit. Serizit wird auch als feinschuppiger Hellglimmer oder weißer Glimmer bezeichnet. Das feinst vermahlene Mineral wird als Serizit Mica bezeichnet.

Trotz sehr guter Deckkraft verstopft es die Poren nicht und lässt die Haut atmen – es legt sich wie eine Schicht aus kleinen Spiegelchen auf die Haut und reflektiert die Strahlung.


Einsatzkonzentration

2% der Gesamtmenge; in der Fettphase dispergieren



Fazit über mineralische Sonnenschutzfilter


Ich habe mir viele Gedanken über die mineralischen Filter gemacht, Unmengen an Publikationen, Datenblätter und Erfahrungsberichte studiert und mich natürlich auf meine eigenen Erfahrungswerte verlassen.


Ich persönlich verwende reines Titandioxid und Zinkoxid nicht mehr für meine Sonnenkosmetik, weil es mit EsseSol einfach eine ausgezeichnete Alternative gibt und sich der LSF mit EsseSol besser abschätzen lässt.


Sollten Sie jedoch mit reinem Titandioxid und Zinkoxid formulieren wollen, so verwenden Sie bitte immer beide Filter zu jeweils gleichen Teilen und dispergieren diese vor der Weiterverarbeitung gründlich in Neutralöl oder Squalan.


Unter den chemischen Sonnenschutzfiltern ist und bleibt Sofi Super mein „Liebling“, denn ich schätze die einfache Verarbeitung und die Sicherheit des Schutzes.



Das Problem bei mineralischen Sonnenschutzfiltern


Es gibt zahlreiche Hersteller von mineralischen und chemischen Sonnenschutzfiltern, und in den diversen Shops für naturkosmetische Rohstoffe werden kaum Partikelgrößen und die genauen Markennamen der Filter angegeben.


Zudem erfolgt die Bestimmung des LSF unter standardisierten Bedingungen im Labor unter Auftragung von 2 mg des Produktes pro cm2 Haut (Colipa Sun Protection Factor Test Method. Bruxelles; The European Cosmetic, Toiletry and Perfumery AssociationCOLIPA, 1994).

Wird unter Anwendungsbedingungen weniger vom Produkt aufgetragen, wird der deklarierte LSF nicht erreicht. Auch der Abrieb des Sonnenschutzproduktes durch Kleidung oder an Handtüchern kann zu einem verminderten Schutz führen.


All diese Faktoren machen es so schwierig, im Selber-Rühr-Bereich verlässliche Angaben - besonders in Bezug auf Verarbeitung, Einsatzkonzentration und den zu erwartenden Lichtschutzfaktor zu bekommen.


Ich möchte Sie ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir keinerlei Gewähr für die Richtigkeit der angegeben Schätzwerte der Lichtschutzfaktoren machen können!






Die chemischen Sonnenschutzfilter


Chemische Filter sind Substanzen, die molekular verteilt in die Haut eindringen und mit ihr den Schutzfilm bilden. Sie reflektieren die schädlichen Strahlen nicht, sondern wandeln sie in ungefährliche Energie um: in harmloses Infrarotlicht beziehungsweise Wärme.


Chemische Filter, welche in industriell gefertigter Sonnenkosmetik enthalten sind, basieren meist auf hoch chemischen Formeln und werden in diesen Produkten mit künstlichen Konservierungsmitteln, Duft- und Farbstoffen, schlecht verträglichen Emulgatoren, Weichmachern und Einziehhilfen kombiniert.


Dieser „Cocktail“ aus bedenklichen Inhaltsstoffen in industriell gefertigten Kosmetikprodukten ruft oftmals Unverträglichkeiten der Sonnenschutzprodukte hervor – oft ist man dann in dem Glauben, eine Sonnenallergie zu haben, aber die Wahrheit ist eine Reaktion des Chemiecocktails mit den UV-Strahlen und der Hitze auf unserer Haut.


Die Nachteile der chemischen Sonnenschutzfilter ist ihre schnelle Zersetzbarkeit und die Problematik der schlechten natürlichen Abbaubarkeit: sie gelangen in Gewässer und können dort die Tiere und Umwelt schädigen.


Sind alle chemischen Filter schlecht?


Nein, nicht alle chemischen Sonnenschutzfilter sind kategorisch zu verteufeln: Wenn man den richtigen auswählt und ihn in der Creme mit möglichst reizarmen Rohstoffen kombiniert – dass dies in der selbst gerührten Kosmetik durchaus möglich ist und es sehr gute hautverträgliche chemische Sonnenschutzfilter gibt, zeigen zahlreiche Studien und auch unsere Erfahrungswerte der letzten Jahre.


Um den bestmöglichen Sonnenschutz für die Haut zu gewährleisten (besonders bei sehr empfindlicher Haut, Babyhaut und Hauttypen I und II und während einer Winterreise in wärmere Gefilde, wenn die Haut nicht vorgebräunt ist), wird eine kombinierte Einarbeitung sowohl von mineralischen als auch chemischen Sonnenschutzfiltern empfohlen!



1. Sofi Super


Breitband-Filter (UV-A & UV-B-Filter)



Dieser einfach zu verarbeitende und hochleistungsfähige UV-A und UV-B-Blocker ist eine wichtige Ergänzung in jedem Sonnenschutzprodukt – besonders dann, wenn ein stabiler und gut messbarer Sonnenschutz wichtig ist (z.B. bei Sonnenpflege für Kinder, empfindliche oder sehr helle Haut etc.).


Dieser Sonnenschutzfilter-Wirkstoff ist nicht reizend, und kann auch für Kinder und selbst bei besonders empfindlicher Haut eingesetzt werden. Dieser Filter wird nicht von der Haut aufgenommen, sondern bildet eine schützende, wasserfeste (!) Barriere vor UV-Strahlung.


Es fühlt sich nicht klebrig und nicht ölig an, daher kann die Haut “atmen”. Sie können diesen Sonnenschutz in jede beliebige Formulierung einarbeiten.

Das Endprodukt muss einen (ohnehin hautneutralen) pH-Wert von 5-7,5 aufweisen, um einen stabilen und sicheren Sonnenschutz leisten zu können. Dieser pH-Wert ist ohnehin notwendig, um die Hautgesundheit zu erhalten, daher sollte das kein Problem darstellen.

Dieses Sonnenschutzmittel wird bei kalt gerührten Produkten nach Zugabe von Verdickungsmitteln/Gelbildnern eingearbeitet.


Selbstverständlich ist auch SOFI Super umstritten, jedoch ist es aus meiner Sicht ein chemischer Filter, der sehr verträglich ist und den höchsten Schutz gegen UV-Strahlung bietet. Gerade bei der empfindlichen Kinderhaut und sehr heller Haut, bzw. bei den ersten Sonnenstrahlen auf unserer blassen Winterhaut schützt er zuverlässig und ohne Kompromisse.


Ich denke so: das ganze Jahr kommen mir keine chemischen Inhaltsstoffe auf die Haut, jedoch bin ich mir durchaus der Tatsache bewusst, welche Schäden UV-Strahlung auf und in der Haut anrichten kann und da nehme ich das bisschen Chemie gerne in Kauf, einfach um meine Haut (gerade zu Sommerbeginn) ausreichend zu schützen.


Einsatzkonzentration bei Emulsionen/Cremen

3% – LSF 21

5% – LSF 32

8% – LSF 41

10% – LSF 46

15% – LSF 48

17% – LSF 51

20% – LSF 53


Einsatzkonzentration bei Gelen

3%- LSF 13

5% – LSF 22

8% – LSF 44

10% – LSF 51

15% – LSF 54

17% – LSF 57

20% – LSF 72


Diese Sonnenschutz-Filtersubstanz ist durch seine minimale Partikelgröße in eine doppelten W/O/W-Formulierung eingearbeitet (diese Formulierung beinhaltet sowohl flüssige als auch organische puderige Anteile), die den chemischen Sonnenschutzfilter bestmöglich stabilisiert und eine dichte, schützende Schicht auf der Haut unterstützt.


Herkömmliche Sonnenschutzfilter konnten oft nur unsauber in das kosmetische Produkt eingearbeitet werden – durch die schlechte Öl- bzw. Wasserlöslichkeit haben sich immer wieder „Lücken“ im Sonnenschutz gebildet – dies ist mit diesem Produkt nicht möglich.


Eine Besonderheit dieser breit wirksamen Filtersubstanz gegen UVA und UVB Strahlung ist die Tatsache, dass sie nicht von der Haut aufgenommen wird – die spezielle Formulierung garantiert eine sicheren, stabilisierten und reizarmen Schutz vor Strahlung auf der Haut.



2. Sofi O Super


Bei diesen beiden Namen bitte aufpassen, dass sie nicht verwechselt werden!


Sofi O Super besteht aus Octyltriazon (Ethylhexyl Triazone) - einer weiße kristalline Substanz, die bei 129 °C schmilzt. Für die Verarbeitung in der selbst hergestellten Kosmetik bedeutet das, dass sie vor der Verwendung mit Neutralöl (MCT-ÖL) oder Squalan auf 129°C erhitzt und darin mit einem Mini-Mixer gut dispergiert werden muss.

Anschließend erfolgt die Weiterverarbeitung ganz normal.


Octyltriazon wird in Sonnencremes als UV-Filter im UVB-Bereich verwendet. Gemäß EU-Richtlinie 76/786 EWG ist in Formulierungen eine Maximalkonzentration von 5 g pro 100 g erlaubt, daher halten auch wir uns im Selberrührbereich an diese Vorgaben des Herstellers BASF.


Sofi O Super ist ein hochwirksamer UVB-Filter mit außergewöhnlich hohem Absorptionsvermögen. Aufgrund der sehr hohen Saugfähigkeit sind in kosmetischen Sonnenschutzpräparaten nur geringe Konzentrationen erforderlich, um einen hohen LSF-Wert zu erreichen.


Dieser UVB-Filter ist zudem sehr lichtstabil. Es bleibt praktisch unverändert, auch wenn es intensiver Strahlung ausgesetzt ist.


Studien zeigen, dass Sofi O Super nur sehr gering in die Haut eindringt und gilt als sehr sicher in Bezug auf hormonelle Wirkungen im menschlichen Organismus.

Zudem gibt er eine gute Wasserfestigkeit.


Einsatzkonzentration

1% Octyltriazon ergibt einen LSF von ca. 1,2. Bei der vom Hersteller empfohlenen maximalen Einsatzkonzentration von 3% (zugelassen werden 5% laut Kosmetik-Verordnung) ergibt das lediglich einen Lichtschutzfaktor von 3,6.


Ein ausreichender Sonnenschutz nur mit Sofi O Super ist aus meiner Sicht nicht zu erreichen, wenn man unter der maximal empfohlenen Einsatzmenge bleibt.


Verarbeitung

Wichtig ist das vorherige Dispergieren in so genannten polaren Ölen, zum Beispiel Neutralöl oder Squalan, aber die Temperatur von 129°C sollte bei der Verarbeitung nicht überschritten werden, damit sich Sofi O Super nicht zersetzt!


Das Vorlösen von Sofi O Super in einem polaren Öl ist besonders wichtig, da sich dieser chemische Filter nur in polaren Ölen gut lösen kann und die ganze Kraft des Lichtschutzes nur so zu erreichen ist!


Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen und hoffen, Ihnen mit diesem Artikel pünktlich zur sommerlichen Jahreszeit ein paar wertvolle Informationen gegeben zu haben!



Haben Sie schon unsere Rezeptwelt entdeckt?

Hier finden Sie zahlreiche Rezepte - unter anderem natürlich zum Thema Sonnenschutz.





In unserem nächsten Beitrag widmen wir uns den lichtstabilen Pflanzenölen für die Sonnenkosmetik und beleuchten die wichtigsten Wirkstoffe zum Schutz gegen freie Radikale.



Und zum Schluss natürlich noch ein Rezept zum Nachrühren:


Leichter Sonnenschutzspray mit LSF ca. 12

120g


Fettphase

11g Neutralöl

3g Sofi O Super


15g Monoi de Tiare-Öl

6g Lanette O® (Cetearyl Alcohol)



Wasserphase

70g Aloe Vera Gel

8g EsseSol

3g Seidenpulver

1,5g Sucrose Stearat


10g Pentylene Glycol


Herstellung

Erhitzen Sie zuerst nur das Neutralöl auf ca. 115°C, dann ziehen Sie das Feuerglas sofort von der Platte und rühren mit einem starken Mini-Mixer das Sofi O Super in die Fettphase. Homogenisieren Sie diese beiden Rohstoffe für ca. 30 Sekunden gut miteinander.

Anschließend ergänzen Sie das Monoi-Öl sowie den Emulgator Lanette O® und rühren mit einem Spatel, bis die gesamte Fettphase geschmolzen ist.


Jetzt erhitzen Sie das Aloe Vera Gel auf ca. 65°C, ergänzen den mineralischen Sonnenschutz EsseSol sowie das Seidenpulver und den Emulgator Sucrose Stearat. Rühren Sie ebenfalls gut mit einem starken Mini-Mixer.

Ziehen Sie dann das Feuerglas von der Platte und ergänzen Sie das Konservierungsmittel Pentylene Glycol - auch dieses bitte gut mit dem Mixer einarbeiten.


Nun gießen Sie die Wasserphase unter Rühren in die Fettphase und homogenisieren die beiden Phasen gründlich.


Stellen Sie den pH-Wert auf 5,4 ein und füllen Sie diesen Sonnenschutzspray in eine Sprühflasche.


Bitte vor jeder Anwendung schütteln!

Haltbarkeit: 4 Monate.




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