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AUF FEHLERSUCHE ... bei der Cremeherstellung

Ein spannendes Thema, das sicherlich öfters zu kleinen Wutausbrüchen und entnervten Panikreaktionen führt, aber ich hoffe, mit diesem Beitrag etwas Licht in die Seele der Cremen und Erleichterung für uns Rührer/Innen bringen zu können! ;-)



Manchmal will`s einfach nicht klappen...


"Des wird nix!"


Diese und einige andere geseufzte Sätze höre ich öfters von meinen Seminarteilnehmer/Innen und ehemaligen Teilnehmer/Innen, die sich zu Hause mit Liebe und Leidenschaft diesem wundervollen Hobby widmen.


Spätestens dann, wenn man beginnt, Rohstoffe auszutauschen, mit Emulgatoren zu experimentieren oder die Menge der Fett- bzw. Wasserphase verändert - ja, dann ist der Zeitpunkt gekommen, sich näher mit der "Seele der Cremen" auseinanderzusetzen.


In diesem Beitrag möchte ich mit den weniger schwierigen Stolpersteinen beginnen - unter der Voraussetzung, die Rezeptur ist okay und nicht etwa falsch "berechnet".


Fehler #1 - Der Mixer ist zu schwach


Wer in einem meiner Kurse war, der weiß: ein gutes Rührgerät ist das A und O der Cremeherstellung.

Für einen einfachen Balsam oder "altmodischere" Rezepturen mit Wollwachs, Lanolin oder Bienenwachs mag der Glasrührstab reichen, jedoch wer auf ausgeklügeltere Rezepturen mit einem angenehmen Auftragsverhalten setzen möchte, dem wird der Glasrührstab nicht reichen.



Mittlerweile gibt es viele verschiedene Rührgeräte am Markt, die leistbar sind und gut arbeiten.


Ein ideales Einstiegsgerät sind der so genannte "Mini-Mixer" (Bild ganz rechts). Er hat eine kompakte Leistung, jedoch für manche Emulsionen, die hohe Schergeschwindigkeiten brauchen, zu wenig.


Gerade wenn man mit Pentylene Glycol als Konservierungsmittel arbeitet, dann ist ein guter, starker Rührer von Vorteil - hier empfiehlt sich dann schon ein stärkeres Gerät wie zum Beispiel der "Mini-Mixer Premium" (Bild Mitte).

Dieser hat eine schöne Kraft, ist mit USB aufladbar und emulgiert wunderbar.


Einen kleinen Nachteil hat dieser Mixer jedoch auch: Er neigt sehr zum Spritzen, daher empfiehlt es sich, die Feuergläser etwas größer zu wählen und die Handfläche beim Zusammenführen der Wasser- und Fettphase zum Schutz über das Feuerglas zu halten.


Unser neuer Liebling ist der elektrische Profimixer (Bild ganz links), der kaum spritzt, aber trotzdem wunderbare Schergeschwindigkeiten schafft!


Wichtig ist nur, dass Sie keinen elektrischen Milchaufschäumer verwenden, denn dieser hat die Aufgabe, Luft in die Milch zu bringen und sie dadurch aufzuschäumen. Das möchten wir bei der Cremeherstellung vermeiden, denn Luft ist eine potenzielle Verunreinigungsquelle unserer selbst gemachten Kosmetik.



Sollten Sie trotzdem einmal diese Luftbläschen in der Creme produziert haben, dann empfiehlt es sich, diese sanft mit einem Spatel herauszurühren - so wie am Bild oben sollte die Creme niemals abgefüllt werden!



Fehler #2 - Die Verarbeitungstemperatur der beiden Phasen stimmt nicht


Die Wasser- und Fettphase sollte beim Zusammenführen ungefähr die gleiche Temperatur haben - ich arbeite nun bereits schon jahrelang ohne Thermometer und habe bis heute nicht das Gefühl, einen zu brauchen.


Die "Kunst" bei der richtigen Temperatur ist die Beobachtung der beiden Phasen in den Feuergläsern:


Die Wasserphase ist heiß genug, wenn sich ein Beschlag am Feuerglas bildet - dann muss sie rasch runter von der Kochplatte!


Achtung bei der Verarbeitung von Hyalurongel in der Wasserphase! Wenn Sie einen großen Anteil an Hyalurongel in der Wasserphase haben, dann kann sich kaum ein Beschlag zeigen - achten Sie dann bitte auf kleine Luftbläschen am Boden des Feuerglases - diese zeigen Ihnen die richtige Temperatur an!



Bei der Fettphase ist das noch eindeutiger - die Fettphase ist dann heiß genug, wenn sich nur noch kleine Rest-Kügelchen von Emulgatoren oder Wachsen im Feuerglas befinden - diese werden dann am besten mit einem leichten Schwenken in der Restwärme geschmolzen.

So verhindern Sie, dass die Fettphase zu heiß wird - diese Tatsache wäre den verwendeten Rohstoffen nicht zuträglich, denn umso heißer die Fettphase wird, desto mehr wertvolle Inhaltsstoffe zerstören sie.


Die Fettphase wird bei jeder Rezeptur eine leicht unterschiedliche Temperatur aufweisen - sie richtet sich nach den verwendeten Rohstoffen und deren Schmelzpunkten. Hier ein kleiner Überblick:


Bienenwachs: ca. 65°C

Carnaubawachs: ca. 82°C

Candelillawachs: ca. 76°C

Emulsan: ca. 60°C

Cetylalkohol: ca. 50°C

Montanov™68: ca. 60-65^°C

Kakaobutter: ca. 37°C

Sheabutter: ca. 32°C

Lanolin: 38-44°C


Es versteht sich von selbst, dass sich die Temperatur der Fettphase immer nach dem Rohstoff mit dem höchsten Schmelzpunkt richten muss.




Fehler #3 - Es wurde zu wenig lange emulgiert


Lassen Sie sich beim Zusammenführen der Wasser- und Fettphase Zeit und rühren Sie wirklich noch mindestens 1-2 Minuten gut mit dem Mini-Mixer, um die beiden Phasen schön miteinander zu emulgieren.

Auch ein zu schnelles Abkühlen im Wasserbad ist nicht sinnvoll, sondern ein langsames Erkalten unter stetem Rühren.


Ich sehe bei meinen Kursen öfters, dass die Creme zwar anfangs gut gerührt wird, dann jedoch bleibt sie unfertig am Tisch stehen - selbst das kann für eine noch nicht ausreichend emulgierte Creme dazu führen, dass sie sich wieder trennt.



Fehler #4 - Verunreinigungen sind in die Creme gelangt oder Konservierungsmittel vergessen


Wenn die Creme bei der Herstellung gut emulgiert hat und sie auch nach Zugabe der Vitamine, Wirkstoffe und Duftölen bzw. ätherischen Ölen schön bleibt und erst nach einigen Wochen eine veränderte Konsistenz zeigt, dann ist Vorsicht geboten!


Es gibt einige Verfallsanzeichen, die einen beginnenden Verfall der Creme anzeigen. In diesem Fall sollten Sie das Produkt bitte auf keinen Fall mehr verwenden, denn bevor ein Befall richtig sichtbar wird, befinden sich bereits Keime in der Creme, die Sie sich dann möglicherweise noch Tage oder gar Wochen täglich auf die Haut schmieren.


Achten Sie bitte immer auf „Verfallanzeichen“ des naturkosmetischen Produktes – diese können sein:

• Trennung der Emulsion

• kleine Körnchen in der Creme („grieselig“)

• Absetzen von Wasser“flecken“ (Flüssigkeit schwimmt meistens oben auf)

• Plötzliche auffällige Verflüssigung

• Veränderung von Geruch, Farbe und Konsistenz



Fehler #5 - Der pH-Wert stimmt nicht


Wir wissen, dass der pH-Wert unserer Creme immer im pH-hautneutralen Bereich von 5,4 eingestellt werden sollte. Dies fördert die Verträglichkeit der kosmetischen Formulierung und somit die Gesundheit unserer Haut.


Nachdem wenige von uns ein eigenes Rührlabor zu Hause haben werden, gilt für uns der Toleranzbereich von 5-6,5 als absolut in Ordnung.

Bedenken Sie bitte auch, dass einige Konservierungsmittel nur in einem gewissen pH-Bereich wirksam sind!


Bitte verwenden Sie beim Messen hochwertige pH-Teststreifen, die das Ergebnis genau und gut anzeigen und verzichten Sie auf das billige Indikatorpapier auf der Rolle - dieses finde ich äußerst unzuverlässig und zudem noch schwer abzulesen.






Fehler #6 - Pentylene Glycol wurde erst zum Schluss dazugegeben


Diesem Thema habe ich mich bereits in einem älteren Beitrag gewidmet, der hier nachzulesen ist.



Wenn alles nichts hilft, dann

Fluidlecithin Super - ein Kalt-Emulgator und Retter der Cremen


Was sind Lecithine?

Lecithine gehören zu den vielseitigsten und dermatologisch wertvollsten Rohstoffen in der Naturkosmetik. Sie werden vorwiegend aus Sojabohnen und Sonnenblumenkernen hergestellt.

Der chemische Aufbau von Lecithinen ist der eines Emulgators: Ein Teil des Moleküls hat eine polare (hydrophile), ein anderer Teil eine apolare (hydrophobe) Eigenschaft. Sie sind somit amphiphil und können die Grenzflächenspannung zwischen unterschiedlichsten Substanzen (Phasen) herabsetzen und wirken daher als Emulgatoren oder Dispergiermittel.


Ein Vorteil von Fluidlecithin Super ist, dass er sowohl kalt als auch warm verarbeittet werden kann und auch in der fertigen Creme als zusätzliche Emulgierhilfe eingesetzt werden kann.


Wenn die Creme also nicht schön emulgiert, dann geben Sie einfach zu Beginn einige Tropfen bis ca. 2g Fluidlecithin Super hinzu und mixen die Emulsion nochmals stark.

Sollte sich keine sichtbare Bindung aufbauen, dann nochmals nachdosieren und wiederum mit einem starken Rührgerät rühren.




Und zu guter Letzt, ein Fehler, der sich auf die Rezeptur bezieht, aber trotzdem leicht zu beheben ist:


Fehler #7 - Ein falscher Emulgator wurde gewählt


In den meisten Rezepturen, die ich von meinen Teilnehmer/Innen vorgelegt bekomme, stimmen die Emulgatoren nicht mit dem Verhältnis Wasserphase zu Fettphase überein.


Es gibt Emulgatoren, die am besten in einem

  • niedrigen Ölbereich (3-10%) oder einem

  • mittleren Ölphasenbereich (15-25%) oder einer

  • hohen Ölkonzentrationen ( über 25% Fettphase)

emulgieren können.


Abhängig von der Konzentration der Ölphase (oder Wasserphase) sollten Sie versuchen, den am besten geeigneten Emulgator für diese Formulierung zu finden. Wenn ein bestimmter Emulgator laut seinen Eigenschaften am besten mit 5% Ölphase arbeitet, ist er höchstwahrscheinlich nicht die beste Wahl für eine Creme mit 40% Ölphase. ;-)


Eine Übersicht und kleine Orientierungshilfe mit Einsatzkonzentrationen und Rahmenformulierungen der geeignetsten Emulgatoren für Ihre Formulierung gibt es in unserem nächsten Beitrag!


Nun aber zurück zu unserem Problem - die Creme emulgiert nicht schön und bildet eine unschöne glibberige Masse anstelle einer schönen Creme - dies sieht dann ungefähr so aus:



Wir nehmen in dieser Rezeptur mal an, dass der Emulgator-Typ einfach nicht zum Verhältnis der beiden Phasen passt.


Wir haben folgendes Testrezept erstellt:


Fettphase

15g Aprikosenkernöl

8g Emulsan


Wasserphase

30g destilliertes Wasser


Somit enspricht dieses Rezept deutlich einer W/O-Emulsion, also einer Wasser in Öl-Emulsion, einer intensiven, sehr reichhaltigen Creme mit einem sehr, sehr geringen Wasseranteil und einem hohen Ölanteil.

Eigentlich müsste hier ein anderer Emulgator gewählt werden, nämlich einer, der sich für diese Art von Emulsionen eignet, Emulsan ist es auf jeden Fall nicht.


Wir haben gesehen, dass sich diese Creme auch mit viel Rühren nicht zu einer schönen, homogenen Emulsion verarbeiten ließ und haben dann nochmals

40g destilliertes Wasser beigemischt.


Plötzlich hat sich die Konsistenz dieser Creme völlig verändert:



Durch die Zugabe von mehr destilliertem Wasser (wir haben also die Wasserphase von 30g auf 70g erhöht) wurde es eine schöne O/W - Emulsion, also eine Wasser in Öl-Emulsion und dazu passt Emulsan wunderbar.




Wenn eine Creme bei Ihnen zu Hause einfach nicht funktionieren will, dann fügen Sie doch bei Ihrem nächsten Versuch destilliertes Wasser oder ein Hydrolat hinzu und beobachten Sie die Veränderung.


Dieses zusätzliche destillierte Wasser bzw. Hydrolat müssen Sie nicht erwärmen, wenn die Creme noch warm ist! Aber gut rühren ist wichtig!


Meistens wird in den Rezepten einfach zu viel Emulgator angegeben oder schlichtweg der falsche.


Und zu guter Letzt:


Fehler #8 - Fehlende Geduld


Bitte nehmen Sie sich zur Herstellung Ihrer Kosmetik Zeit und haben Sie etwas Geduld!

Umso wärmer die Creme noch ist, desto flüssiger ist sie - erst zum Ende hin, wenn die Creme unter 20°C hat, bildet sie ihre endgültige Konsistenz aus.


Manche Rohstoffe (wie Kakaobutter oder einige Emulgatoren) brauchen sogar eine Nacht Schlaf, um zu ihrer endgültigen Konsistenz zu kommen.






Wir hoffen, Ihnen mit diesem Beitrag ein paar graue Haare zu ersparen und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen!


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