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Die uralte Kunst des Seifensiedens

Artikel der Oberösterreichischen Nachrichten - Von Ulrike Griessl 17. März 2018 01:20 Uhr



Schon 2500 vor Christus stellten die Sumerer Seife als Heilmittel her. Die Ottensheimerin Vanessa Arnezeder haucht diesem archaischen Handwerk nun wieder Leben ein. Ein Liter Öl und die fünfeinhalbfache Menge Pottasche." So lautete die erste überlieferte Rezeptur für Seife, die ein Sumerer (eine Hochkultur im heutigen Irak) vor mehr als 4500 Jahren in Keilschrift auf einer Ton-Schiefertafel eingeritzt hat. "Im Wesentlichen funktioniert das Kaltsieden von Seife heute noch genauso wie damals", sagt Vanessa Arnezeder, die in Linz eine Naturkosmetik-Werkstätte betreibt. Die 35-Jährige hat ihre Passion, aus hochwertigen Rohstoffen selbst Pflegeprodukte herzustellen, zum Beruf gemacht. Warum es ihr dieses uralte Handwerk angetan hat und weshalb selbst gemachte Seife mit chemischen Waschprodukten wenig gemein hat, erklärt Arnezeder im Interview.

OÖNachrichten: Was unterscheidet gekaufte Seife von selbst gemachter?

Vanessa Arnezeder: Sehr viel. Handgemachte und kalt gerührte Naturseifen sind hochwertige Pflegeprodukte. Sie werden aus Pflanzenölen, Buttern, Wachsen und Konsistenzgebern hergestellt und mit ätherischen Ölen oder Hydrolaten aus Pflanzen beduftet. Man kann sie speziell auf die Bedürfnisse jedes Hauttyps abstimmen, sodass sie nicht austrocknen, sondern wirklich pflegen. In der Seifenindustrie werden viele chemisch hergestellte Inhaltsstoffe verwendet, wie etwa hautschädliche Tenside, chemische Konservierungsstoffe sowie minderwertige Parfum- und Farbstoffe.



Was halten Sie von industriell hergestellter Macadamiaöl- oder Olivenölseife?


Man muss wissen, dass eine Seife bereits Macadamiaöl-Seife genannt werden darf, wenn sie nur ein Prozent von diesem Öl enthält. Mehr muss ich dazu nicht sagen.


Wie erkennt der Laie den Unterschied zwischen industriell und handgefertigter Seife?


Industrielle Seife wird mit einem Pressverfahren hergestellt, das sie spröde macht. Daher splittert sie, wenn man sie ritzt. Bei selbstgemachter Seife bekommt man durch Ritzen eine weiche Zeste wie beim Reiben von Parmesan.


Wie sind Sie zum Seifensieden gekommen?


Ich habe mit Neurodermitis gekämpft und pflegte mich daher ausschließlich mit Naturkosmetik-Produkten. Als mir meine Mutter den Kurs "Naturkosmetik zum Selbermachen" schenkte, fing ich Feuer. Ich belegte daraufhin weiterführende Seminare in Deutschland, machte die Ausbildung zur diplomierten Kräuterpädagogin und nütze jetzt dieses Wissen unter anderem dazu, hochwertige Seifen und Cremen selbst zu machen.

Worauf kommt es beim Seifensieden an?


Das Verfahren ist nicht schwierig. Wichtig ist, dass man das richtige Verhältnis von Ölen, Wasser und Natriumhydroxyd grammgenau ausrechnet und ausmisst, nur so erhält man eine milde Seife mit perfekter Konsistenz. Ohne Rezept würde ich keine Seife machen. Ansonsten kann man die Schätze der Natur leicht und kreativ mitverarbeiten – von Mohn über Gewürze, Blüten und Wurzeln bis hin zu hübschem Blattwerk zur Dekoration. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.


Anleitung zur Seifenherstellung

  1. Lauge anrühren: Wasser und NaOH in getrennten Gefäßen abwiegen. Das NaOH vorsichtig in Wasser einrieseln lassen. Achtung: NaOH ist stark ätzend, daher Handschuhe, Schürze und Schutzbrille tragen.

  2. Feste Fette abwiegen und schmelzen.

  3. Flüssige Fette in einem weiteren Topf wiegen und beiseite stellen.

  4. Sobald die festen Fette geschmolzen sind, den Topf von der Platte nehmen und die flüssigen Fette dazugießen.

  5. Die Lauge langsam mit dem Kochlöffel in die Fette einrühren.

  6. Das Überfettungsöl einrühren.

  7. Die Masse abwechselnd mit dem Stabmixer und dem Kochlöffel rühren, bis die Seife „zeichnet“, also dickflüssig wird.

  8. Düfte, Kräuter und/oder Peelingsubstanzen einarbeiten.

  9. Für eine mehrfärbige Seife den Seifenleim auf zwei Gefäße aufteilen und einfärben.

  10. Seifenleim grob mischen und abfüllen.

  11. Seife mindestens 24 Stunden rasten lassen, dann in Stücke schneiden und weitere sechs bis acht Wochen vor dem Verwenden reifen lassen.




Die Geschichte der Seifenherstellung


Seife als Heilmittel: Wann in der Menschheitsgeschichte zum ersten Mal Seife hergestellt wurde, ist unklar. Erste überlieferte Seifenrezepte gehen auf die Sumerer um 2500 vor Christus zurück. Damals wurden Pottasche (eingekochte Asche von Hölzern und Pflanzen) und Öle in eisernen Töpfen (Potten) zu Seife „verkocht“. Diese diente nicht als Kosmetikum, sondern als Heilmittel bei Hautproblemen.


Seife zum Wäschewaschen: Die alten Ägypter entdeckten den reinigenden Effekt der Seife, als sie das Mineral „Soda“ mit Pottasche mischten. Doch auch sie verwendeten die Seife lediglich zum Wäschewaschen, nicht für die Körperhygiene.


Seife als Pomade: Die Römer setzten die Seife um 40 nach Christus erstmals als Kosmetikum ein. Sie nützten sie als Bleichmittel und als Pomade für die Haare. Erst ab dem 2. Jahrhundert nach Christus setzte sich die Seife als Produkt zur Körperreinigung durch.

Erste Seife aus Arabien: Schließlich kamen aber erst die Araber auf die Idee, Fette mit Lauge statt Pottasche zu vermischen und zu erhitzen. Sie setzten zudem als erste gebrannten Kalk ein, um feste Seife zu erhalten.



Wie entsteht Seife?


Seife entsteht durch folgenden chemischen Prozess. Die Formel lautet: Fette (pflanzliche oder tierische) plus Lauge (NaOH – Natriumhydroxid in Wasser aufgelöst) ergibt Seife. Jede Fettart, die für die Seifenherstellung verwendet wird, benötigt eine bestimmte Menge an NaOH (Verseifungszahl), um vollständig verseift zu werden.

Beim Kaltsiedeprozess bleibt das natürliche Glycerin in der Seife zurück. Bei der Industrieseife wird dieses wertvolle Glycerin herausgewaschen und für andere Zwecke weiterverwendet. Daher sind kalt gerührte Seifen sanfter, hautpflegender und weicher als industriell gefertigte.


Bestandteile: 80 Prozent einer Seife bestehen aus den Basisölen, und 20 Prozent machen sogenannte Überfettungsöle aus. Sie werden erst in die fertige Seifenmasse eingearbeitet und machen das Produkt mild und pflegend.




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