Die richtige Herstellung von Milchseifen
- Vanessa Arnezeder

- 30. Jan. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Cremige Milchseifen sind sicherlich die Königsdisziplin im Seifen sieden, aber ihre pflegende, weichmachende und feuchtigkeitsspendende Wirkung auf die Haut ist und bleibt unübertroffen! Milchproteine verwöhnen besonders trockene und rissige Haut und besonders im Winter ist eine Milchseife ein Luxus, den auch du unbedingt probieren solltest!

Milch ist ein wahres Schönheitselixir, denn sie beinhaltet eine erstaunliches Zusammenspiel an Milchproteinen, Vitaminen, Mineralstoffen, Eiweiß, wertvolle Fette sowie Milchzucker und feuchtigkeitsspendende Milchsäure.
Diese Komposition an Inhaltsstoffen pflegt besonders trockene, irritierte und barrieregestörte Haut, unterstützt die Zellerneuerung und fördert die Hautregeneration.
Die in der Milch enthaltenen Peptide kurbeln die hauteigene Kollagenproduktion an, verbessern unser natürliches Hautmikrobiom und tragen wesentlich zur Verbesserung der Hauthydration bei.
Milch ist aber aufgrund ihrer kostbaren Zusammensetzung nicht nur ein Schönheits-Booster für unsere Haut, sondern auch unsere Haare fühlen sich durch die Inhaltsstoffe der Milch wunderbar gepflegt und verwöhnt.
Zum Beispiel sind die in Kuhmilch enthaltenen Proteine mit dem natürlichen Haarbaustein Keratin verwandt und verleihen so sprödem, trockenem Haar ein tolles Volumen und ein glänzendes, gesundes Aussehen.
Beim Sieden von Milchseifen gibt es allerdings ein paar wichtige Tipps und Tricks zu beachten, damit die samtigen Wunderseifen wirklich gut gelingen.
Im Herstellungprozess an sich unterscheidet sich das Siedeverfahren nicht wesentlich, jedoch zeigen sich in der Verarbeitung von Milch einige Problemchen, die ich dir in diesem Beitrag etwas näher bringen möchte.
Wir müssen uns an dieser Stelle leider mit drei negativen Aspekten der Milch in der Seife auseinandersetzen:
Milch kann die Seife unschön verfärben (ockergelb bis bräunlich - nur wenn die Temperatur sehr, sehr niedrig gehalten wird, bleibt sie hell)
Milch kann die Seife "stinkig" machen (durch die chemische Zersetzung der Milchproteine kommt es zu einem sehr unangenehmen Geruch)
Milch heizt die Seife stark auf (führt zu extremen "Glycerin-Rivers" in der Seife)
(Glycerin-Rivers: Erklärung am Ende des Artikels)
Verwendung von Frischmilch, Milchpulver oder gefrorener Milch?
Die Arbeit mit Frischmilch bei der Seifenherstellung
Von der Verwendung von Frischmilch bei der Seifenherstellung muss ich an dieser Stelle leider abraten, da man, wenn überhaupt, nur sehr geringe Menge an Milch in die Seife bringen kann, ohne dass sich die negativen Seiten der Milch bei der Verarbeitung zeigen.
Frischmilch, mit dieser die Lauge (statt dem Wasser) angerührt wird, zersetzt sich bei Zugabe der NaOH-Kügelchen, sie stinkt entsetzlich, bildet eine gelartige braun-schleimige Masse und kann so kaum in der Seife verwendet werden.
Bei dieser chemischen Reaktion zersetzt sich das Milcheiweiß (Casein) und das Kohlenhydrat (Lactose), es entsteht ein unansehnlicher, ausgeflockter "Schleim".
Wenn du es aber trotzdem ausprobieren möchtest, dann rate ich dir zu folgender Vorgehensweise:
Die Arbeit mit gefrorener Frischmilch
Die Milch vor dem Anrühren der Lauge einzufrieren, ermöglicht es, Frischmilch gut in die Seife zu bringen.
Beginne damit, die Laugenflüssigkeit (vorn. Wasser) nicht zu 100% , sondern lediglich durch 50% Frischmilch zu ersetzen.
Wenn du also als Flüssigkeitsmenge 420g angegeben hast, dann teile sie wie folgt auf:
210g Wasser (sehr kalt)
210g Frischmilch
Die Frischmilch wird einige Stunden zuvor (oder noch besser am Vortag) in Eiswürfelformen gefüllt und eingefroren
Im Arbeitsschritt der Laugenzubereitung gehe wie folgt vor:
Bitte beachte die allgemeinen Sicherheitshinweise im Umgang mit dem Gefahrenstoff NaOH!
Wiege deine benöigte NaOH-Menge aus
Gieße das Wasser in ein laugenfestes Gefäß
Ergänze die Frischmilch-Eiswürfel
Nun lasse das NaOH langsam und esslöffelweise in die Wasser-Milcheiswürfelmischung einrieseln. Rühre immer wieder gut mit dem Schneebesen, damit sich das NaOH langsam und gut auflösen kann. Hier ist wichtig, dass das NaOH wirklich sehr langsam in die Milchmischung kommt, damit sich die Lauge nicht überheizt
Versuche, Klumpenbildung unbedingt zu vermeiden
Kühle vor der Weiterverarbeitung die Lauge auf maximal 20°C ab (evtl. Kühlschrank)
Nun kannst du mit der Seifenherstellung wie gewohnt weitermachen
Die großen Nachteile sind dabei folgende:
Mehr Aufwand durch das Einfrieren der Milch und das Vorbereiten am Vortag
Sobald die Lauge die Reaktionstemperatur erreicht, beginnt die Verseifung des Milchfetts. Dabei kommt es zu unschönen braunen Verfärbungen und das Ausflocken der Milch, zudem entsteht ein unappetitlicher Geruch, der sich zwar wieder fast verflüchtigt, aber die wertvollen Inhaltsstoffe der Milch werden hierbei zerstört.
Es ist schwierig zu beurteilen, ob sich das NaOH wirklich aufgelöst hat, da die Masse bräunlich wird und ausflockt.
Mein Fazit: nicht zu empfehlen, es gibt eine wesentlich bessere Methode!

Die Verwendung von Milchpulver zum Seifen sieden
Milchpulververarbeitung in Wasser
Ich verwende bei meinen Milchseifen ausschließlich Milchpulver – diese können etweder tierischer oder pflanzlicher Herkunft sein:
Ziegenmilchpulver
Schafmilchpulver
Stutenmilchpulver
Kuhmilchpulver
Eselmilch
Kamelmilchpulver
Wasserbüffelmilchpulver (ja, gibt es!)
Kokosnuss-Milchpulver
Hafermilch
Sojamilch
Mandelmilch
Hanfmilch
Lupinenmilch
Erbsenmilch
Reismilch
Ich rühre die Lauge dabei mit normalem Wasser an, im Verhältnis 1:1,1 (NaoH – Wasser) -
das bedeutet, dass die Wassermenge immer das 1,1-fache der Ätznatron-Menge betragen muss, damit sichergestellt ist, dass sich das NaOH im Wasser komplett auflösen kann.
Rechenbeispiel
Im Rezept steht folgendes:
180g NaOH
430g Wasser
Du rechnest: 180g x1,1 = 198g – also benötigen Sie 198g Wasser, um 180g NaoH vollständig auflösen zu können.
Nun rührst du deine NaOH-Kügelchen in 198g Wasser "ganz normal" an
Der Rest der Wassermenge (also 430g-198g = 232g), also die 232g ist Frischmilch bzw. Milchpulver, das in Wasser laut Packungsanleitung angerührt wird (Ich verwende meistens 25% Milchpulver auf 75% Wasser).
Diese angerührte Milch bzw. Frischmilch gebe ich erst zum Schluss in den Seifenleim – so verfärbt sich die Seife nicht und die Milch (bzw. ihre pflegende Wirkung) bleibt auf diese Weise weitestgehend in der Seife erhalten.
Der restliche Ablauf der Seifenherstellung bleibt gleich, wie bekannt.
Milchpulververarbeitung in Pflanzenöl
Eine weitere gute Alternative zur Verarbeitung von Milchpulver ist folgende:
Die Lauge wird (wie bei einer "normalen" Seife) mit der vorgesehenen Menge an Flüssigkeit angerührt
Ziehe dann von der GFM ca. 10% Pflanzenöl ab und rühre im Pflanzenöl dein Milchpulver an
(Achte bitte darauf, dass sich das Milchpulver in dem Pflanzenöl gut auflöst, das geht ein bisschen schwerer als in Wasser)
Deshalb ist mein klarer Favorit:
Das Verarbeiten von Milchpulver in Wasser (abzüglich der Wassermenge zur Laugenherstellung) und die Verarbeitung ganz zum Schluss im Seifenleim.

Hilfreiche Tipps und Tricks für Milchseifen
Vermeidung von zu hoher Temperatur
Sowohl bei der Laugenherstellung als auch bei den Fetten musst du unbedingt auf eine möglichst niedrige Temperatur achten - 20-25°C sind das Maximum der Verarbeitungstemperatur.
Kühles Schlafenlegen
Ich gebe lege meine Milchseifen sofort nach Herstellung immer für 24 Stunden in den Kühlschrank schlafen, damit ich eine konstant niedrige Temperatur für meine Milchseife gewährleisten kann.
Unbedingtes Vermeiden einer Gelphase
Milchseifen tendieren durch die Entwicklung von hohen Temperaturen zur Bildung so genannter "Glycerin-Rivers", das sind weißliche/durchsichtige Streifen, die sich durch die Seife ziehen und ein fleckiges, netziges Aussehen der Seife erzeugen.
Wenn also deine Milchseife während dem Herstellungsprozess oder danach zu heiß wird, kann das natürlich in der Seife vorkommende Glycerin gerinnen, wodurch diese Glycerin- Streifen deutlich sichtbar werden. Die Stellen, an diesen solche Glycerin-Rivers vorkommen, sind häufig weicher als der Rest des Seifenstücks.
Achtung beim Titandioxid
Titandioxid, unser Weißmacher der Seife, ist besonders bei Milchseifen, die man gemeinhin gerne in hellen Farben gestaltet, ein sehr beliebter Zusatzstoff.
Ein großer Nachteil ist jedoch, dass Seifen, die mit einem hohen Anteil an Titandioxid gefärbt wurden, zu Glycerin-Rivers tendieren.
Ich kann diesen Vorgang chemisch leider nicht schlüssig erklären, aber wenn die Seife die Gelphase durchläuft, scheinen die der Seife zugesetzten Farbpigmentpartikel (vor allem eben das Titandioxid) an den fettigen, wasserabweisenden Enden der Seifenmoleküle zu haften, während die wasserlöslichen Köpfe der Moleküle ohne Pigment bleiben und fast durchsichtig erscheinen.
Eine Hilfe zur Reduktion von Glycerin-Rivers ist die Reduktion der Wassermenge von rd. 33% auf lediglich 25% - dies ist ein einfacher, aber sehr effektiver "Trick", um Glycerin-Rivers zu minimieren bzw. beinahe zur Gänze auszuschalten.
An dieser Stelle bleibt mir nur noch, dir ein spannendes Sieden dieser luxuriösen Milchseifen zu wünschen!


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