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Schritt für Schritt zur ersten Creme

Die wichtigsten Basics zur Herstellung einer eigenen Creme


Immer mehr Menschen finden Zugang zu dem spannenden und einfach zu erlernenden Hobby der Kosmetikherstellung.

Seit knapp 15 Jahren halte ich nun Kurse zum Thema Kosmetikherstellung und es beigeistert und fasziniert mich immer wieder auf`s neue, dass sich so viele Menschen für die Gesundheit der Haut und ihr eigenes Wohlbefinden interessieren.


Ein gesundes Hautbild trägt maßgeblich zur eigenen Selbstwahrnehmung bei - nur eine gesunde Haut kann auch schön sein - diese Gesundheit kann aber meist mit gekauften, industriellen Massenprodukten nicht unterstützt werden.


Bereits die Babypflegecremen strotzen vor Mineralölen, Konservierungsmitteln, Silikonölen und Duftstoffen - wie soll sich eine Haut, die ständig mit hautfremden Stoffen in Berührung kommt, gesund entwickeln können?


Dies und viel mehr Gründe locken so viele Menschen zum Selbermachen ihrer Kosmetik.


Und es ist nicht so schwer, wie man sich das vielleicht vorstellt - ja, natürlich - mit den Jahren kommt die Routine und Erfahrung, man traut sich, Formulierungen nach den eigenen Bedürfnissen abzuwandeln und Rohstoffe auszutauschen, aber die Basics lassen sich schnell lernen.


Um Ihnen ein erstes Gefühl für die Herstellung einer kosmetischen Formulierung geben zu können, möchten wir Ihnen in diesem Beitrag die ersten Schritte zur Cremeherstellung erläutern.


Kosmetik selbst zu machen, bedeutet zu wissen, „was wirklich drin ist“ – welche Inhaltsstoffe in dem Produkt tatsächlich enthalten sind, welche Rohstoffe verwendet wurden und wie die Art der Konservierung ist.




1. Der Arbeitsplatz

Achten Sie bitte immer darauf, dass Sie Ihren Arbeitsplatz sauber halten!


Als Grundausstattung brauchen Sie:


  • Großes Feuerglas (250ml) – für die Fettphase

  • Kleines Feuerglas (100ml) – für die Wirkstoffphase

  • Feinwaage – zum genauen Auswiegen unserer Rohstoffe

  • Messlöffel/Pulverdosierer zum Entnehmen der Rohstoffe

  • Mini-Mixer (bitte betriebsbereit herrichten!) zum Emulgieren unserer beiden Phasen

  • Kunststoff-Spatel oder Silikon-Spatel zum Umrühren und Kaltrühren der Creme

  • Isopropylalkohol in einer Sprühflasche zum Desinfizieren der Geräte, Feuergläser und Behälter

  • Hände-Desinfektion oder Einweghandschuhe (am besten dünne OP-Handschuhe)


Weiters benötigen Sie:


  • Küchenrolle

  • Kochplatte/Herd

  • Kaltes Wasserbad (optional)

  • Dichtungsplättchen von Cremetiegeln zum Auswiegen von (meist pulverigen) Rohstoffen

  • Etiketten zum Beschriften


Und dann natürlich:


  • Ihre Rohstoffe zur Herstellung der kosmetischen Formulierung

  • pH-Teststreifen

  • Konservierungsmittel

  • Natron (zum Korrigieren des pH-Wertes in den basischen Bereich) + etwas destilliertes Wasser und ein kleines Feuerglas

  • Milchsäure (zum Korrigieren des pH-Wertes in den sauren Bereich)



DIE 3-PHASEN-TECHNIK


Die 3-Phasen-Technik ist die gängigste Technik, um kosmetische Formulierungen herzustellen.


Die Fettphase


Die Fettphase wird in das große Feuerglas gewogen und beinhaltet folgende Rohstoffe:


  • Basisöle (hitze-unempfindliche Pflanzenöle wie Jojobaöl, Arganöl, Traubenkernöl, Avocadoöl raffiniert, Mandelöl, Aprikosenkernöl...)

  • Pflanzenbuttern (Sheabutter, Kakaobutter, Mangobutter, Aloe Butter, Kaffee-Butter…)

  • Wachse (Bienenwachs, Jojobawachs, Beerenwachs, Candelillawachs…)

  • Konsistenzgeber (Lanolin, Wollwachsalkohol etc. - auch Emulgatoren und Buttern haben konsistenzgebende Wirkung)

  • Emulgatoren (verbinden Fett- und Wasserphase: Emulsan, Cetylalkohol, Lamecreme, Montanov…)


Die Wasserphase


Die Wasserphase wird in das kleine Feuerglas gewogen und beinhaltet folgende Rohstoffe:


  • Hydrolate (Lavendelhydrolat, Rosenhydrolat, Teebaumhydrolat…)

  • Emulgatoren (DermaCare CG90®, Natrosol HX®, Phospholipon®…)

  • Gelbildner (Xanthan, Cosphaderm®, Guarkernmehl…)

  • Selten: Wirkstoffe (Hyalurongel…)


Die Wirkstoffphase


Die Wirkstoffphase ist die letzte Phase, nachdem die Wasser- und die Fettphase zusammengefügt wurde und wird erst nach dem Abkühlen der handwarmen Creme hinzugefügt. Fast alle Inhaltsstoffe der Wirkstoffphase sind hitzeempfindlich!



Die Rohstoffe der Wirkstoffphase werden direkt in die eben gerührte Creme dosiert und beinhalten folgende Rohstoffe:


  • Wirkstofföle (hitzeempfindliche Pflanzenöle wie z.B. Sanddorn-Fruchtfleischööl, Himbeersamenöl…)

  • Vitamine, Wirkstoffe (Vitamin E, Vitamin A, D-Panthenol, Fibrostimulin, Coenzym Q10…)

  • Ätherische Öle (Lavendel, Rose Absolue, Bergamotte, Rosengeranie etc.)

  • Pflanzenextrakte (in Glycerin oder Alkohol gelöste Pflanzen wie z.B. Augentrostextrakt, Bambusextrakt…)

  • Kosmetische Duftöle



Tipp!


Verzichten Sie bitte darauf, die Wirkstoffphase in ein separates Feuerglas zu wiegen. Sie würden Gefahr laufen, dass es durch das zusätzliche Feuerglas zu Verunreinigungen in der kosmetischen Formulierung kommt; zudem ist die Wirkstoffphase meist so gering, dass Sie vermutlich nicht alles aus dem Glas und in Ihre Creme bekommen werden.


Viel besser ist es, die Rohstoffe der Wirkstoffphase nach und nach der Formulierung zuzugeben und immer wieder gut einzurühren.






DIE 3-PHASEN-TECHNIK IN BILDERN




Der Ablauf der Kosmetikherstellung



1. Alle Rohstoffe vorbereiten.


2. In das große Feuerglas (meist 250ml) die Rohstoffe der Fettphase genau auswiegen.



3. In das kleine Feuerglas die Rohstoffe der Wasserphase genau einwiegen.


Hinweis

Wenn Sie mit Pentylene Glycol konservieren möchten, dann kommt dieser in die Wasserphase hinzu, nachdem Sie die auf die gewünschte Temperatur erhitzt haben (ca. 60°C). Bitte erst das Feuerglas von der Platte ziehen und dann das Konservierugsmittel Pentylene Glycol einarbeiten! Pentylene Glycol darf nicht über 60°C erhitzt werden!


Wenn Sie mit anderen Konservierungsmitteln konservieren möchten (z.B. Rokonsal oder Biokons), dann sollten Sie diesen erst in der Wirkstoffphase beimengen.




4. Beide Feuergläser auf die Platte stellen.


Die Fettphase ist dann heiß genug, wenn sich alle festen Bestandteile (Emulgatoren, Konsistenzgeber etc.) aufgelöst haben – dann bitte sofort von der heißen Platte nehmen! (Übermäßiges Erhitzen führt zu Qualitätsverlust der Rohstoffe!)


Sie können selbstverständlich auch einen Thermometer zur Hand nehmen – die Temperatur der Fettphase soll durchschnittlich bei 55°C (wenn Wachse verarbeitet werden, dann auch bei 65°C) liegen.


Die Wasserphase ist dann heiß genug, wenn sich am Rand leichter Dampf bzw. Kondenswasser bildet – bitte dann diese auch sofort von der Platte nehmen.


Achtung!

Wenn Sie viel Hyalurongel in der Wasserphase verarbeiten, dann bildet sich kaum ein Beschlag (und wenn, dann bei zu hoher Temperatur), sondern am Boden entstehen kleine Bläschen – dann ist die Wasserphase heiß genug!





5. Nun kommt der schönste Moment: Die Wasserphase unter Rühren mit dem Mini-Mixer in die Fettphase gießen (nicht umgekehrt!!!)


6. 1-2 Minuten mit dem Mini-Mixer ohne Pause rühren, damit sich die Rohstoffe gut miteinander verbinden können.





Hinweis

Umso heißer die Creme noch ist, desto flüssiger und "gelblicher" ist sie. Umso mehr sie an Temperatur verliert, desto cremiger und heller wird sie werden.




7. Nun können Sie mit dem Holzspatel oder mit dem Mini-Mixer weiterarbeiten.


8. Die Creme kann nun in einem kalten Wasserbad rasch abgekühlt werden oder Sie rühren noch einige Minuten in Ruhe weiter, bis die Creme „Handwärme“ (also ca. 40°C) erreicht hat.


9. Nun ist es an der Zeit, die Wirkstoffe, Wirkstofföle, Vitamine, Zusätze, Pflanzenextrakte und ätherische Öle hinzuzufügen. Immer wieder umrühren und die Creme nicht stehen lassen!




10. Nachdem Sie alle Rohstoffe eingearbeitet haben, den PH-Wert prüfen und gegebenenfalls mit Hilfe von Milchsäure oder Natron auf 5,4 einstellen.


Das Einstellen des richtigen pH-Wertes haben wir Ihnen in einem separaten Beitrag aufbereitet.






13. Konservieren. (Außer wenn Sie mit Pentylene Glycol arbeiten, dann haben Sie diesen ja schon in der Wasserphase verarbeitet.)


14. Schnell in saubere Tiegel füllen und mit dem Herstellungsdatum oder dem Verfalldatum etikettieren.


15. Erst dann luftdicht abschließen, wenn die Creme wirklich kalt ist (ansonsten bilden sich Wassertröpfchen am Deckel, die zu einem schnelleren Verderb der Creme führen können).


16. Die Creme hält nun 4 Monate bei Zimmertemperatur (nicht übermäßiger Hitze oder Sonneneinstrahlung aussetzen!) Eine Lagerung im Kühlschrank ist nicht nötig!


Wir hoffen Ihnen mit diesem Beitrag einen kleinen Überblick über die Herstellung einer Creme gegeben zu haben und wir freuen uns über Ihr Interesse an unseren Angeboten!


Wir bieten zahlreiche Kurse zum Thema Kosmetikherstellung an - schauen Sie doch einfach mal bei unseren Seminaren vorbei!



Und wenn Sie lieber im Stillen studieren, dann hier unsere Skripten zum sofortigen Download als E-Book:












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